Nicht schön. Aber unseres

ergebnis apolda

Text: Philipp Kraft

Ein Spiel, das selbst der Wetterbericht nur mit „zäh“ beschrieben hätte.  

Von Beginn an war klar: Hier wird heute kein Denkmal errichtet. Keine Bronzestatue vor dem Vereinsheim. Eher so ein vergilbtes Mannschaftsfoto, das man irgendwann zwischen Wimpeln und alten Spielberichten wiederfindet und denkt: „Ach ja. Das war auch mal.“Der Ball lief – naja, er bewegte sich.  Oft vertikal. Sehr vertikal.  

Man hatte zeitweise das Gefühl, beide Teams hätten sich auf ein stilles Abkommen geeinigt: „Flach spielen ist was für Schönwetterfußballer.“ Apolda stand kompakt wie ein Ikea-Schrank nach Anleitung.  Wir standen auch da.  

Irgendwo dazwischen flog der Ball durch die Gegend, meistens begleitet von dem Geräusch zweier Schädel, die sich um das gleiche Lederobjekt bemühten.

Torchancen?  Sagen wir so: Die Torhüter hätten nebenbei ihre Steuererklärung machen können. Niemand hätte es gemerkt.  

Es war ein Spiel, das man sich nicht anschaut, um inspiriert zu werden.  Es war ein Spiel, das man sich anschaut, weil man eben da ist. Und weil man weiß:  

Genau solche Dinger entscheiden irgendwann Meisterschaften. Oder zumindest die Laune beim Training am Dienstag.

Und dann – Nachspielzeit.  Diese Phase, in der alle eigentlich schon mit dem Kopf unter der Dusche stehen.  

Langer Einwurf von Christian Reimann.  Und mit „lang“ meinen wir: Der Ball hatte mehr Flugkilometer als ein Ryanair-Sonderangebot.

Der Ball segelt in den Strafraum, dreht sich, wird länger, höher, gefährlicher – und plötzlich steigt Max Peisker hoch.  Mit geschlossenen Augen.  Nicht halb geschlossen.  

Nicht konzentriert zusammengekniffen.  Nein. Komplett zu. Als würde er beim Zahnarzt sitzen.  

Man weiß nicht, ob es Mut war. Oder Selbstschutz.  Der Ball trifft seine Stirn.  Ein Geräusch wie wenn man eine Wassermelone testet, ob sie reif ist.  Und dann liegt das Ding im Netz.  1:0.

Ekstase. Unfassbarkeit.  Der Rest ist kollektives Ausrasten.  Spieler rennen. Trainer rennen. Ersatzspieler rennen. Wahrscheinlich ist sogar jemand gerannt, der gar nicht wusste warum.  

Abpfiff.  Ein Spiel, das fußballerisch ungefähr so attraktiv war wie ein Behördenformular – aber am Ende zählt nur die Zahl links und rechts vom Doppelpunkt: 1:0.  

Kein Leckerbissen. Kein Spektakel.  Sondern ein dreckiger, ehrlicher, völlig unästhetischer Last-Minute-Sieg.

Und wenn uns in ein paar Wochen jemand fragt, wie dieses Spiel war, werden wir sagen:  

„Nicht schön. Aber unseres“

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