Wir haben eine realistische Chance

09.08.19   OTZ-Vorbericht

»»Ostthüringer Zeitung
Peter Dauel haderte immer noch mit dem Ligaauftakt von Grün-Weiß Stadtroda – dabei war die Niederlage schon gut vier Tage alt, als er denn die Kulturarena in Jena besuchte, wo er den zarten Klängen des britischen Liedermachers Charlie Cunningham lauschte und sich eine Hefeweizen-Maurerbrause gönnte – wenn auch aus einem Plastebecher, wie denn der Co-Trainer monierte. Doch das alles half nichts, Peter Dauel hatte die Partie gegen Traktor Teichel noch längst nicht in Gänze verdaut. Es rumorte noch gewaltig in ihm, wenn man ihn denn am Mittwochabend auf das 2:1 ansprach.

„Wir Trainer haben den ersten Spieltag noch nicht verkraftet. Ich weiß jetzt nicht, wie es bei den Spielern aussieht, doch am Dienstag habe ich beim Training durchaus noch lange Gesichter gesehen“, berichtete der Co-Trainer. Es sei letztlich eben jenes schwere Spiel gewesen, mit dem alle bereits im Vorfeld gerechnet hätten, zumal sich die Kicker aus dem Landkreis Saalfeld-Rudolstadt während der Sommerpause verstärkt hätten. Doch damit nicht genug, sei doch der kleine Platz in Teichel für Außenstehende sehr gewöhnungsbedürftig. „Sie wissen halt, wie sie dort zu agieren haben“, sagte Dauel über den Gastgeber. Doch dergleichen wolle er auch nicht überbewerten, vielmehr müssten sich seine Kicker auch an die eigene Fußball-Nase fassen. „In der ersten Hälfte konnten wir uns nicht von ihren langen Bällen und den damit verbundenen Druck auf unsere Reihen befreien“, bilanzierte Dauel. Im zweiten Akt hätten es die Grün-Weiß-Protagonisten dann schon besser gemacht, hätten über reichlich Ballbesitz verfügt.

An jener Stelle wirkte nun Peter Dauel recht versöhnlich, doch dergleichen ist sofort wieder Geschichte, wenn er auf die beiden Gegentore seines Teams zu sprechen kommt. „Das waren keine Tore, das war jeweils ein Witz“, sagte der Co-Trainer, der damit auf die Art und Weise der Treffer verweist, die ihn in ihrer Genese irgendwie an das hektische und recht unübersichtliche Geschehen innerhalb eines Flipperautomaten erinnert hätten. „So viel Glück muss man erst einmal sein Eigen nennen können. Das kann man gar nicht in Worte fassen“, monierte Dauel weiter. Dass den beiden Toren dann auch noch ungerechtfertigte Freistöße vorausgingen, würde das ganze Geschehen nicht gerade in einem besseren Licht erstrahlen lassen. Ja, Dauel spricht in einem Fall sogar von einem der schlechtesten Freistöße aller Zeiten, die er jemals zu Gesicht bekommen habe. Gefühlt drei Km/h habe die Fluggeschwindigkeit des Balles betragen, der dann erst im Nachgang die Torlinie der Stadtrodaer überquerte. Irgendwie habe ihn ein Traktorist über die Linie gestochert. „Das waren keine Tore – und das ärgert mich am meisten. Aus dem Spiel haben wir nichts zugelassen, lediglich nach Standards, doch die Punkte, die wir in Teichel gelassen haben, bekommen wir nicht wieder“, so der Co-Trainer, der wohl noch Stunden über die Geschehnisse zur Premiere der Spielzeit hätte sinnieren können.

Doch auch ein hadernder Peter Dauel verfügt über die im Fußball mitunter lebensrettende Gabe, nach einer Niederlage wieder nach vorn zu schauen. Nach vorn heißt in diesem Fall auf das Spiel im Landespokal gegen den FC Thüringen Weida, die ja bekanntlich in der Thüringenliga seit nunmehr drei Spielzeiten beheimatet sind. Zweifelsohne eine Partie, der Dauel entgegenfiebert, zumal die Ausgangssituation für die Kicker aus dem Saale-Holzland-Kreis um einiges besser ist als am vergangenen Wochenende: fast alle Spieler sind an Bord. Ja, sogar Simon Fuchs wird in das Pokal-Geschehen eingreifen, ursprünglich gingen die Trainer davon aus, dass er an besagtem Wochenende verhindert sein werde. „Wir haben so ein wenig die Qual der Wahl, manche Positionen bei uns sind doppelt besetzt, da wird sich im Training am Donnerstag erst zeigen, wer womöglich spielen wird“, sagte Dauel.

Und was kann er über den Gegner sagen? „Thüringen Weida ist eine Mannschaft, die wir sehr gut kennen. Eine Mannschaft, mit der Stadtroda auch noch eine Rechnung offen hat“, sagte der Co-Trainer, der damit auf die äußerst erfolgreiche Saison 2016/17 verweist, in der Grün-Weiß sich mit Platz zwei bei der Endabrechnung zufrieden geben musste — hinter Thüringen Weida.

Dauel wiederum hatte in jenen Tagen noch das Kommando bei Jena-Zwätzen inne, reiste mit den Kickern aus dem Norden der Universitätsstadt am letzten Spieltag der Saison sogar nach Weida. „Zwätzen hätte Stadtroda damals mit einem Sieg noch zum Aufstieg verhelfen können, wir gingen sogar mit 1:0 in Führung, doch nach 90 Minuten lautete der Spielstand 4:1 für Thüringen Weida“, erinnerte sich der Trainer.

Natürlich, Stadtroda sei am Sonnabend der Außenseiter – ein Umstand, der laut Dauel in dieser Saison eher selten der Fall sein dürfte. „Das soll nicht arrogant klingen, aber den Anspruch haben wir einfach“, führte der Co-Trainer weiter aus, der mit einer ausgeglichenen Partie rechnet, bei der Kleinigkeiten am Ende über Sieg oder Niederlage entscheiden könnten. „Wenn wir konzentriert in der Abwehr agieren und auch im Angriff erfolgreich sind, haben wir eine realistische Chance, am Sonnabend eine Runde weiterzukommen“, sagte der Coach, der auch daran erinnerte, dass Thüringen Weida seine erste Partie in der Thüringenliga zu Hause am „Roten Hügel“ mit 0:1 verlor. „Sie befinden sich gerade im Umbruch, haben nun viele junge Spieler in der Mannschaft. Ich bin gespannt.“ Zentrale Spieler in den Reihen von Trainer Rico Pellmann seien Stürmer Tim Urban, dem Dauel das Prädikat „brandgefährlich“ verlieh, Torwart Christoph Haase oder Ronny Kolnisko.

Thüringen Weida sei ein attraktiver Gegner

Generell besitze der Pokal einen hohen Stellenwert in den Reihen der Grün-Weißen. „Das ist ein wichtiger Wettbewerb, bei dem man auf sich aufmerksam machen kann. Gerade für die kleineren Vereine ist das wichtig“, erläuterte Dauel, der auch keinen Hehl daraus machte, dass es in dieser Spielzeit grundlegend zu wenig Partien in der Landesklasse geben würde. Dergleichen sei schlichtweg ein Witz, sodass man für jedes weitere Spiel schlichtweg dankbar sein müsse, zumal man mit Weida einen recht attraktiven Gegner erhalten habe, der hoffentlich auch den einen oder anderen zusätzlichen Zuschauer ins Roda-Stadion locken könnte, so Dauel, der auch noch entschlossen betont, dass er um nichts in der Welt mit zwei Niederlagen in die neue Spielzeit starten möchte
OTZ/Marcus Schulze